Heute haben wir in der Schule eine lustige “Übung” gemacht: um unser Englisch zu verbessern sollten wir wahllos Passanten befragen und Fragen wie “Was würden Sie tun wenn Sie einen Tag Primierminister wären?” oder “Wenn Sie eine Superkraft hätten, was wäre es?” stellen. Unsere Lehrerin dachte sich dabei nichts weiter außer die Sprache durch Gespräche zu verbessern wie wir danach erfragt haben. Für uns allerdings war das Ganze eine krasse Erfahrung. In Deutschland hätte diese Übung nämlich gar nicht funktioniert weil nicht genug Leute stehen geblieben wären um mit einem ausländischen!!! Jugendlichen eine “Umfrage” zu machen. Bei den Iren jedoch kein Problem. Und falls einer dann doch keine Zeit hat, dann wird das kurz freudlich erläutert und sich entschuldigt. Wo gibts das schon bei uns? Ich wage zu behaupten dass niemand bei uns das in so kurzer Zeit so hinbekommen würde.
Krasser war noch dass die Leute nicht nur kurze Zwangsantworten gegeben haben sondern auch gleich noch einen kleinen Chat über sich, Dublin, uns und Deutschland begonnen haben. Oder: Kugelschreiben schreibt nicht mehr, der Befragte gibt uns einen und sagt am Ende dass wir ihn behalten können weil wir ja sonst unsere Umfrage nicht weitermachen können. Ich habe jetzt echt einen wahnsinnig positiven Eindruck von den Leuten hier. Auch bei schwierigen Themen wie Politik sind dieLeute nicht reserviert sondern auskunftsfreudig und teilen ihre Meinung mit – anders als wir Deutschen!
Nach der Schule gings für mich in die Stadt um meine Firma zu finden. Die Adresse die ich bekommen hatte war falsch, nach kurzen Fragen an Passanten und einem Anruf konnte ich sie aber finden. Auch hier hat mir jeder sofort meine Fragen beantwortet und nicht einfach abgewunken obwohl sie in Hektik waren. Ich bin beeindruckt.
Mir öffnet ein junger Mann der wie Espenlaub zittert und der sichtlich überfordert scheint. Nachdem ich mich kurz vorgestellt habe ruft er seinen Chef an und erfragt weitere Schritte. Er lacht am Ende des Gesprächs – ich frage nach warum. Die Antwort macht mich etwas skeptisch: sie haben mich erst am 24. erwartet – in 3 Wochen!
Der Chef kommt in 1 oder 2 Stunden und ich soll so lange warten. Der junge Mann, auch Michael, hat sich nun beruhigt und führt mich kurz herum. Ich habe polnische, indische (oder pakistanische?) und irische Kollegen die eine Kartenanwendung mit Zope (in Python) bauen. Ich soll wohl das Interface mit JavaScript etwas aufwerten, mal sehen was da geht. Da ich noch etwas Zeit habe sehe ich mich ein wenig um: Das Büro ist nicht nur in einem Keller, es wirkt auch wie eine Rumpelkammer (oder mein Kinderzimmer von früher). Es liegen Bücher, CDs, Hardware überall verstreut und alles scheint völlig ungeordnet zu sein. Ich bin zwar selbst kein Ordnungsfreak, aber hier bekomme selbst ich Zweifel ob man effektiv arbeiten kann – wir werden sehen.
Die Unterhaltung mit Mel, meinem Chef, ist kurz aber aufschlussreich. Montag zwischen 9 und 10 gehts los. Was ich mache wird sich noch entscheiden, Templating, CSS, Javascript, vielleicht gebe ich TYPO3 Nachhilfe – der Ausbildende Praktikant, hihi. Er hat noch ein wichtiges Meeting und ich muss meinen Platz räumen.
Ich laufe zur Dart und fahre Heim. Nach einem mal wieder riesigen Abendbrot gehts in den örtlichen Pub zum Fußball und Poker. Ich entscheide mich für letzteres und verliere. Mal wieder. Egal, war trotzdem lustig.